Das Stuttgarter Vorleseprojekt: Ich bau‘ dir eine Lesebrücke

Projektziele
- Wertschätzung und Sensibilisierung für die sprachliche Vielfalt schaffen
- Erfolgserlebnisse durch das Erkennen der eigenen Sprach- und Kommunikationskompetenz vermitteln
- Vermittlung der Freude am Lesen unabhängig von der deutschen Schriftkultur
- Von der Sprache unabhängiges Heranführen an das Buch
Projektbeschreibung
Die Pflege der Familiensprache ist insbesondere für die kommunikative, emotionale und intellektuelle Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und für die Entwicklung eines Sprachgefühls von großer Bedeutung.
Das Projekt „Ich bau dir eine Lesebrücke“ setzte ehrenamtliche Vorlesepatinnen für multilinguales Vorlesen in Kindertagesstätten, Grundschulen und Kinderbüchereien ein, um die Kinder ohne Hemmschwellen dort abzuholen, wo sie sind und ihnen einen spielerischen Umgang mit der Sprache an sich zu bieten.
Das Projekt richtete sich an Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erfahren sowie an ihre Erzieherinnen und Eltern. Erreicht werden sollten aber auch Kinder mit der Muttersprache Deutsch, um den Klang anderer Sprachen zu lernen. Das Projekt wurde exemplarisch für die Sprachen „Russisch“ und „Türkisch“ durchgeführt.
Eltern, Großeltern, Geschwister aus Migrantenfamilien, ehrenamtlich mitwirkende BürgerInnen aus verschiedenen Kulturkreisen wurden unter hauptamtlicher Koordination mit Hilfe von hauptamtlichen Kontaktpersonen und in enger Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen in den Einrichtungen eingebunden.
Die Eltern der Zielgruppe wurden über das Projekt informiert, die Vorlesepaten in Seminaren geschult.
Neben den Vorlesestunden fanden multikulturelle Lesepartys mit Kindern, Eltern, Ehrenamtlichen und MitarbeiterInnen in der Kinderbücherei statt. Zweisprachige Bilderbuchshows wurden angeboten sowie zweisprachiges Kindertheater. Insgesamt wurden im Rahmen des Projektes 17 Aktivitäten und 130 Vorleseeinsätze durchgeführt. Bis zu 300 Besucher nahmen teil. Eine Leseliste mit mehrsprachigen Lesetipps wurde erstellt und den entsprechenden Einrichtungen angeboten. Wichtig war auch der Aufbau eines geeigneten Bestandes an türkischer und russischer Kinderliteratur zum Vorlesen und für mehrsprachige Aktionen vor Ort.
Erfolge und Nachhaltigkeit
Durch Beobachtungsbögen und Interviews mit den Vorlesepat/innen, den Erzieher/innen und Lehrer/innen sowie den Eltern wurde das Projekt evaluiert. Das Projekt hat seine wichtigste Zielgruppe, die Kinder mit Migrationshintergrund, erreicht, da die Kinder in einer ihnen vertrauten Umgebung in den Kindergärten und Schulen angesprochen wurden. In den kleinen Gruppen hatten die Kinder die Möglichkeit, sich ihrer Zweisprachigkeit und denen damit verbundenen Chancen bewußt zu werden. Bei dem Abschlussgespräch dieses Projektes bekräftigten die anwesenden LehrerInnen, ErzieherInnen und VorlesepatInnen die Bedeutung des mehrsprachigen Vorlesens für die Leseförderung. Bei einem Drittel der Kinder war eine leichte Steigerung der Lesemotivation zu verzeichnen. Zwei Drittel der Familien gaben an, dass ihnen durch das Projekt die Bedeutung des Vorlesens und der Sprachförderung für ihre Kinder bewußter geworden ist und dass ein erweitertes Interesse am Sprachverhalten der Kinder entstanden ist. Die Vorlesepatinnen beobachten eine Steigerung der Lesefreude und der Lesemotivation bei den betreuten Kindern. Allerdings war die Laufzeit des Projektes zu kurz, um langfristig messbare Wirkungen beobachten zu können.
Dem Projekt ist es vor allem überzeugend gelungen, den bedeutenden Stellenwert der Muttersprache stärker in das Bewusstsein der Migrantenfamilien, PädagogInnen, sowie der Öffentlichkeit zu verankern. Durch die Wertschätzung der eigenen Familiensprache haben die Zielgruppen ein neues Selbstbewusstsein und damit eine größere Freude am Umgang mit Sprache erfahren. Für die Mitarbeiterinnen der Einrichtungen gab es zahlreiche Impulse und Methoden, die halfen, die Sprachenvielfalt im Konzept der Institutionen zu verankern. Der Verein Leseohren e.V. wird auch in Zukunft multilinguales Vorlesen anbieten und so einen Beitrag zur sprachlichen Integration in Stuttgart leisten. Es wurden viele kleine Brücken gebaut, die auch in Zukunft wirken.
Kooperationspartner
- Das Stuttgarter Vorleseprojekt
- Stuttgarter Kinderbüchereien
- Jugendamt Stuttgart
- Staatliches Schulamt Stuttgart
Kontakt: Das Stuttgarter Vorleseprojekt Leseohren e.V. siehe pdf-Datei

